Ich fand das Moor in dieser Folge auch nicht neu. De facto fand ich an der ganzen Story nichts wirklich neu - nicht den zynischen Vater, nicht die beiden höchst unterschiedlichen Brüder - der eine sensibel, der andere Erfolgsmensch -, nicht die Gewesene-Pornodarstellerin-Ehefrau und nicht den knurrigen alten Naturburschen. Aber das macht nichts, denn irgendwo braucht es ja diese "Archetypen", um schnell in die Geschichte eintauchen zu können. Die Figuren sind für meine Begriffe mit ganz wenigen Federstrichen skizziert, gerade genug, dass man sie sich vorstellen kann und weiß, mit wem man es zu tun hat. Ein Federstrich mehr, und die Figuren wären stereotyp - und genau das, diesen einen Federstrich mehr an Beschreibung gerade nicht zu machen, ist die Kunst. Es gehört was dazu, Figuren auf den Punkt genau so zu charakterisieren, dass sie einem irgendwie bekannt vorkommen, aber eben noch kein Klischee darstellen. Und im übrigen finde ich, die Figuren sind dann auch genau dem entsprechend gesprochen: Immer noch gerade genau so, dass sie den gewünschten Typ verkörpern, aber nie (oder nur ganz selten) so, dass sie mal ins Klischee abkippen.
Und die Beschreibung der Landschaften, der Szenerien und der Atmosphäre sind für mich schlicht eine Wucht. Da sind Metaphern dabei, die sofort das gewünschte Bild vor dem geistigen Auge entstehen lassen, ganz plastisch. Das habe ich sonst bei Hörspielen nie. Deswegen habe ich bei den Erzählpassagen vermutlich auch besonders gut hingehört - und war sehr angenehm überrascht, dass darin von den rhetorischen Stilmitteln her nichts Altbekanntes vorkam. Geschwurbeltes und völlig neue Metaphern mit Kultcharakter auch nicht, aber gerade das gefällt mir. Der ganze sprachliche Stil ist einfach sehr trittsicher, nicht bemüht, nicht experimentell, einfach nur gekonnt, auf den Punkt und gut.